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Titelbild: Serie 2, Teil 1, Die Firma. Wem gehört der Laden?

Wem gehört der Laden?

September 29, 2026•6 min read

Nach sechseinhalb Jahren habe ich ein Unternehmen verlassen, dem ich sehr viel verdanke.

Ich schreibe das ohne Groll und ohne Zwischentöne. Diese Jahre haben mir und Stephanie viel gegeben, wir haben Menschen kennengelernt, die uns bis heute begleiten, und wir haben etwas aufgebaut, auf das wir stolz sein dürfen. Dafür bin ich dankbar. Und trotzdem ist es vorbei.

Das Leben geht weiter. Und als Privatier sehe ich mich noch lange nicht. Ich bin 60 geworden, ich stehe morgens auf und will etwas bewegen, nicht den Sonnenuntergang zählen. Also habe ich mir in den letzten Wochen sehr grundsätzliche Gedanken darüber gemacht, wie unser weiterer Weg aussehen soll.

Auf diese Gedankenreise nehme ich dich mit. Woche für Woche, Teil für Teil, so lange, wie es Substanz hat. Und ich bin mir sicher, dass die folgenden Inhalte dir bei deiner nächsten Entscheidung helfen werden.

Ich teile diese Informationen nicht, weil du mir folgen sollst. Sondern weil ich in dreizehn Jahren in dieser Branche eines gelernt habe: Fast alle Enttäuschungen, die ich erlebt habe, und ich habe einige erlebt, wären vermeidbar gewesen. Nicht durch Glück. Durch Prüfen und durch das Vertrauen in die eigene Intuition.

Die meisten Menschen entscheiden sich für eine Firma, weil ein Mensch sie begeistert hat. Ein Vortrag, ein Video, ein Produkt, das gut getan hat. Und dann unterschreiben sie. Fakt ist: Das ist die teuerste Art, eine Entscheidung zu treffen. Nicht weil Begeisterung falsch wäre, ich bin selbst ein begeisterungsfähiger Mensch. Sondern weil Begeisterung keine Auskunft darüber gibt, wer da eigentlich hinter dem Tisch sitzt.

Bei meiner Suche nach einem Unternehmen fange ich nicht mehr beim Produkt an. Nicht beim Vergütungsplan. Sondern bei der Firma.

Warum zuerst die Firma

Weil die meisten Probleme dort entstehen, wo du nicht siehst, wem der Laden gehört.

Wenn eine Firma dir in zwei Jahren den Marketingplan umbaut, kannst du nichts dagegen tun. Wenn sie deine Provisionen kürzt, auch nicht. Wenn sie über Nacht verkauft wird, erfährst du es aus einem Zoom-Call. Du baust auf einem Fundament, das dir nicht gehört, und deshalb solltest du wenigstens wissen, aus welchem Material es ist.

Jetzt denkst du vielleicht: Schön, Henrik, aber ich bin kein Wirtschaftsprüfer. Ich sitze abends am Küchentisch, der Tag war lang, und Bilanzen habe ich noch nie in meinem Leben gelesen.

Musst du auch nicht. Alles, was ich dir gleich zeige, kannst du an einem einzigen Abend selbst machen. Mit einem Laptop, einem Telefon und ehrlichem Interesse.

Fünf Schritte, die jeder machen kann

Erstens: Such den Namen der Firma, und geh über die erste Seite hinaus. Gib den Firmennamen bei Google ein und hänge Wörter dran wie Erfahrungen, Kritik, Probleme, Klage. Und dann noch einmal auf Englisch, mit lawsuit oder FTC, weil sehr viele Unternehmen unserer Branche aus den USA kommen. Klick dich bis Seite drei durch. Die Hochglanzseiten stehen immer oben, die interessanten Dinge stehen weiter unten.

Zweitens: Frag eine KI. Das ist heute die einfachste Recherche, die es je gab. Frag ChatGPT oder einen anderen Assistenten: Was weißt du über dieses Unternehmen, wer steht dahinter, was wird kritisiert, gab es Verfahren. In zwei Minuten hast du eine Übersicht, für die ich früher Tage gebraucht hätte. Aber, und das ist wichtig: Eine KI erfindet auch mal etwas. Nimm die Antworten als Spur, nicht als Urteil, und prüfe die entscheidenden Punkte nach.

Drittens: Google die Menschen, nicht die Firma. Wer hat gegründet? Wer sitzt in der Geschäftsleitung? Und jetzt die wichtigste Frage dahinter: Was haben diese Menschen vorher gemacht? Waren sie schon einmal in dieser Industrie, und wie ist das ausgegangen? Wer in fünfzehn Jahren vier Firmen gegründet hat, von denen drei still verschwunden sind, erzählt dir damit mehr über deine Zukunft als jede Vision auf der Bühne. Und wer seit zwanzig Jahren dasselbe macht und dabei sauber geblieben ist, eben auch.

Viertens: Lies die Branchenmedien, auch die alten Berichte. Netcoo, Business for Home, Direct Selling Magazin. Dort findest du, wann eine Firma gestartet ist, wie sie sich entwickelt hat, wer dort gearbeitet hat und wer wieder gegangen ist. Bitte nicht falsch verstehen: Diese Medien leben zum Teil von der Branche, dort steht selten etwas Böses. Lies sie deshalb als Chronik, nicht als Urteil. Aber eine Chronik ist Gold wert, wenn du wissen willst, was in den letzten Jahren wirklich passiert ist.

Fünftens, und das ist der wertvollste Schritt: Sprich mit Menschen. Mit dreien, nicht mit einem. Mit jemandem, der dort erfolgreich ist. Mit jemandem, der schon lange dabei ist und wenig verdient. Und mit jemandem, der gegangen ist. Die letzte Gruppe ist die, die niemand fragt, und genau dort liegt die Wahrheit. Frag nicht nach Gefühlen, frag nach Zahlen: Wie lange bist du dabei, wie viele Stunden steckst du rein, was hast du im letzten Monat verdient, und was hast du im selben Monat ausgegeben. Wer darauf ehrlich antwortet, hilft dir mehr als zehn Präsentationen.

Hol dir bewusst unterschiedliche Sichtweisen. Nicht nur die von dem Menschen, der dich eingeladen hat, denn der ist begeistert, und Begeisterung ist keine Auskunft.

Und dann kommt dein Bauch

Wenn du all das gemacht hast, wirst du ein Gefühl haben. Und auf dieses Gefühl solltest du hören.

Ich habe in den letzten Jahren gelernt noch mehr auf meine Intuition zu hören und seitdem habe ich es nicht ein einziges Mal erlebt, dass mein Bauch mich angelogen hat. Meine letzten beiden Firmen waren Start-Up Unternehmen und auch mein aktuelles Unternehmen ist ein Start-Up. Warum? Weil ich Einfluss haben möchte auf den Weg, wie sich ein Unternehmen in neuen Märkten positioniert. Das ist eine unternehmerische Sicht auf diese Industrie. Diese kann ich von dir womöglich nicht erwarten. Aber ehrlicher Austausch hilft dir bei deiner Entscheidung.

Es gibt noch eine Sache, die dir mehr sagt als alle Register dieser Welt: Wie man dir antwortet, wenn du diese Fragen stellst. Stell sie direkt und stell sie ruhig unbequem. Wer dir offen antwortet, auch wenn die Antwort nicht schön ist, mit dem kannst du arbeiten. Wer abwiegelt, ausweicht oder dir das Gefühl gibt, du seist misstrauisch und negativ, der hat dir gerade alles gesagt, was du wissen musst.

Und noch ein praktischer Tipp, der zehn Minuten kostet: Lies den Partnervertrag bis zum Ende. Nicht den Anfang, das Ende. Dort steht, wer dein Vertragspartner ist, welches Recht gilt und wo im Streitfall verhandelt wird. Frag außerdem, ob es eine Offenlegung der tatsächlichen Einkommen über alle Karrierestufen gibt. Bekommst du sie, kannst du selbst rechnen. Bekommst du sie nicht, hast du deine Antwort ebenfalls.

Und jetzt du

Nimm die Firma, für die du gerade brennst. Oder die, die dir gerade vorgestellt wird. Und geh diese fünf Schritte durch. Ehrlich, ohne dir selbst etwas in die Tasche zu lügen.

Das kostet dich einen Abend. Einen Abend gegen die nächsten fünf Jahre deines Lebens.

Nächste Woche geht es um das Produkt. Und dort stelle ich dir die eine Frage, an der sich für mich alles entscheidet: Würde dieses Produkt auch jemand kaufen, wenn es kein Geschäft dahinter gäbe?

Bis dahin: Sei geduldig. Sei ehrlich zu dir selbst. Und entscheide selbst.

Lieben Gruß
Henrik

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OwnYourLife Project LLC · Stephanie Christine & Henrik Brockmann