
Länger leben oder länger gut leben?
Heute eröffnen wir eine Serie, die uns die kommenden drei Monate begleitet: Longevity. Kaum ein Thema hat in den letzten Jahren so viele Trends und Sichtweisen hervorgebracht, von “ewig leben” bis “nicht altern”. Ich möchte hier einfach meine eigene Perspektive einbringen. Sie beginnt bei dem, was wir selbst in der Hand haben.
Longevity. Das Wort begegnet uns gerade überall. In Magazinen, in Podcasts, auf Verpackungen. Das Thema füllt ganze Konferenzen. Es gibt Kliniken dafür, Messgeräte fürs Handgelenk und Menschen, die Millionen ausgeben, um möglichst gar nicht mehr zu altern. Ich gebe zu, dass vieles davon gemischte Gefühle in mir auslöst. Genau deshalb habe ich mir vorgenommen, tiefer in dieses Thema einzusteigen. Dabei wurde mir eines ganz deutlich: Hinter dem Trend steht eine Frage, die ich für eine der wichtigsten unserer Zeit halte.
Wie wollen wir alt werden?
Wir leben heute deutlich länger als unsere Urgroßeltern. Ja, das ist ein Geschenk. Doch wenn man genauer hinschaut, zeigt sich ein Bild, über das selten gesprochen wird: Zwischen der Lebensspanne, also den Jahren, die wir leben, und der Gesundheitsspanne, den Jahren, die wir gesund und selbstständig verbringen, liegt im Durchschnitt rund ein Jahrzehnt. Ca. zehn Jahre, in denen viele Menschen zwar da sind, aber nicht mehr so leben können, wie sie es sich wünschen. Abhängig von Medikamenten, von Pflege, von Systemen.
Genau hier beginnt für mich das Thema. Nicht bei der Frage, wie wir dem Leben möglichst viele Jahre hinzufügen. Sondern bei der Frage, wie wir die Jahre, die uns gegeben sind, mit Kraft, Klarheit und Handlungsfähigkeit füllen. Mit 75 noch die Enkel hochheben. Mit 80 den eigenen Garten bestellen. Bis ins hohe Alter für andere da sein können, statt nur versorgt zu werden. Das ist in meinen Augen das Ziel.
Und damit grenze ich mich auch klar ab. Ein Teil der Longevity-Branche verspricht heute, das Altern zu besiegen und den Tod irgendwann abzuschaffen. Der Körper wird dort zur Maschine, die man mit genug Technik und Geld beliebig optimieren kann. Das ist nicht mein Weg. Wir sind keine Maschinen. Und unser Leben ist endlich… gerade das macht es so wertvoll.
Ich sehe es anders: Unser Körper und unser Leben sind uns anvertraut. Wir tragen die Verantwortung dafür. Wie für einen Garten, der einem übergeben wurde. Man kann ihn verwildern lassen. Man kann ihn mit Gewalt in eine Form zwingen. Oder man pflegt ihn, Tag für Tag, mit Wissen, Geduld und Achtung. Gut für das zu sorgen, was uns anvertraut ist: Darum geht es mir. Und das Schöne daran: Es braucht dafür kein Labor und kein großes Budget. Es braucht Wissen, Urteilskraft und die Bereitschaft, selbst Verantwortung zu übernehmen.
Was können wir also tun? Mehr, als viele glauben. Wie wir altern, ist zu einem guten Teil kein Schicksal, sondern das Ergebnis vieler kleiner, täglicher Entscheidungen. Was wir essen. Wie wir schlafen. Wie wir uns bewegen. Womit wir uns umgeben. Mit wem wir unser Leben teilen.
In den kommenden drei Monaten nehme ich dich deshalb jede Woche ein Stück mit. Die Serie folgt vier Schritten, die aufeinander aufbauen:
- Clean: Die Last verringern, die unsere Zellen täglich tragen.
- Calm: Zur Ruhe kommen, damit der Körper sich erneuern kann.
- Clear: Kraft und Urteilskraft aufbauen, im Körper wie im Kopf.
- Create: Gestalten und wirken, in Familie, Arbeit und Gemeinschaft.
Wir beginnen ganz unten, bei der kleinsten Einheit des Lebens. Nächste Woche schauen wir uns an, was in unseren Zellen geschieht, wenn wir altern, und warum das eine gute Nachricht ist.
Bis dahin gebe ich dir eine Frage mit in die Woche: Wie möchtest du mit 80 leben? Nicht, wie alt möchtest du werden. Sondern: Was möchtest du dann noch tun können, und für wen?
Schreib es dir auf. Wir kommen darauf zurück.
Alles Liebe, Stephanie